Saisonstart am Alter ohne Bootshaus

Ein herber Schlag für die Entwicklung des Wassertourismus am Thüringer Meer. Das Bildungszentrum hat dem Pächter des Bootshauses fristlos gekündigt, nachdem dieser wegen eines Teil-Nutzungsverbots nicht mehr zahlte.

Batec-Geschäftsführer Thomas Häusler (links) und sein Rechtsanwalt Ingo Henkel stehen vor der Seeseite des Bootshauses. Die als Rettungsweg gedachten Gerüsttreppen im Hintergrund, im Auftrag des BZ errichtet, wurden von der Bauaufsicht als nicht tauglich bewertet. Foto: Jens Voigt

Batec-Geschäftsführer Thomas Häusler (links) und sein Rechtsanwalt Ingo Henkel stehen vor der Seeseite des Bootshauses. Die als Rettungsweg gedachten Gerüsttreppen im Hintergrund, im Auftrag des BZ errichtet, wurden von der Bauaufsicht als nicht tauglich bewertet. Foto: Jens Voigt

Oben Appartements und Zimmer mit insgesamt 35 Betten, im Erdgeschoss Küche, Speise- und Aufenthaltsraum, dazu der eigene Uferabschnitt mit Steg, Liegewiese und Volleyballfeld – das Bootshaus an der Alterbucht müsste ein Leuchtturm des Tourismus am Hohenwarte-Stausee sein. Und eine Goldgrube schon allein wegen der zentralen Lage. Doch für die Batec Service & Handels GmbH , die seit dem 1. September 2017 das Haus gepachtet hatte, ist das Geschäft schon wieder beendet: Per 1. April diesen Jahres wurde ihr fristlos gekündigt.

Hinter der Batec mit Sitz in Gera steht Thomas Häusler , Geschäftsmann aus Erfurt . Er übernahm vor ein paar Jahren das benachbarte Wassersportzentrum, baute es zur zertifizierten Tauchbasis aus, richtete Zimmer und Ferienwohnung neu her und installierte einen Imbisswagen. Direkt davor liegt das Bootshaus, das der Bildungszentrum Saalfeld GmbH (BZ) gehört, deren alleiniger Gesellschafter wiederum der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt ist. Gäste des Wassersportzentrums durften hier den Zugang zum Stausee nutzen, in einem der Appartements wohnte Häusler während der Saison. Naheliegend also, dass er zu den ersten Interessenten gehörte, als das BZ, um Kosten zu sparen, vor zwei Jahren den Betrieb des frisch sanierten Bootshauses an Externe übertragen wollte.

Wie andere Bewerber auch, soll Häusler zunächst einen Kauf angestrebt haben, doch das BZ bevorzugte eine Verpachtung. Man einigte sich schließlich auf einen Pachtvertrag, Häusler begann zu renovieren, modernisierte zunächst die Ferienwohnungen, ließ ein Werbevideo drehen und thüringenweit in Kinos laufen, übernahm die kränkelnde Traditionsveranstaltung „Stausee in Flammen“. Alles schien auf gutem Weg.

War es aber nicht, jedenfalls aus Häuslers Sicht. Mit seinem Anwalt Ingo Henkel führt er den OTZ-Reporter kurz nach der Kündigung durch das Bootshaus. Zeigt wellige Bodenplatten im Seminarraum, klemmende Türen. Risse in der Fußbodenversiegelung der Küche, die nach seiner Einschätzung sofort die Sperrung nach sich zögen, wären sie der Hygieneaufsicht bekannt. Ein Rolli-Lift, der in einem sehr schmalen Gang gen Tür endet. Am Eingang zur Straße eine sprungschanzensteile Auffahrt zu einem wadenhohen Bordstein, die wohl nur von Artisten im Rollstuhl zu bewältigen wäre. Und das sind aus Sicht des Pächters noch die Kleinigkeiten.

Treppen als Rettungsweg „dauerhaft nicht zulässig“

Die wirklichen Brocken heißen Heizung und Außentreppen. Bereits im ersten Winter nach der Übernahme habe sein Mandant feststellen müssen, dass in den zehn Zimmern des Obergeschosses von Wärme keine Rede sein könne, erklärt Henkel . Die Ursache sei baulich bedingt: Geplant vor der Sanierung des Bootshauses durch das BZ in den Jahren 2015/16 sei eine Fußbodenheizung gewesen, dementsprechend niedrig seien die Vorlauftemperaturen der installierten Therme. Doch Fußbodenheizung erhielten nur die beiden Ferienwohnungen; im Rest der Etage sei eine „preiswertere Lösung mit Konvektorheizkörpern“ verbaut worden. Die nicht funktioniert.

Und dann die Außentreppen auf der Wasserseite: Sie wären nötig, um für den Seminarraum und den Speisesaal über einen vorgelagerten Balkon bzw. Galeriegang den gesetzlich vorgeschriebenen zweiten Rettungsweg zu bilden. Nur wurde der Balkon samt integrierter Treppen trotz einer dem BZ bestätigten Baugenehmigung vom 8. April 2015 nie gebaut. Stattdessen ließ das BZ zwei Gerüsttreppen stellen, deren Funktionstüchtigkeit Häusler per Dekra-Gutachten Ende November bezweifelte und die Bauaufsicht des Landkreises dann auch: Sie forderte im Dezember 2018 das BZ zur Instandsetzung und einer regelmäßigen Überprüfung der Treppen – von deren Funktion als Rettungsweg sie im Übrigen laut Anwalt Henkel über Jahre gar nichts wusste, weil für die nicht gebauten Balkone ja auch nie eine behördliche Bauabnahme erfolgt sei.

Über die Tauglichkeit der Treppen urteilte die Bauaufsicht, nachdem sie von Häusler zur Begehung Anfang Februar dieses Jahres aufgefordert worden war, dass jene als zweiter Rettungsweg „dauerhaft nicht zulässig“ seien und eine „Gefährdung für die Nutzer“ darstellen würden. Weshalb per Bescheid vom 19. Februar dem BZ eine Nutzungsuntersagung für Speisesaal und Seminarraum des Bootshauses verfügt wurde, ergänzt um einen Bescheid an die Batec, wonach sie dies zu dulden habe. Die wiederum reicht beim Landgericht Gera Feststellungsklage auf Mietminderung ein – und zahlt nicht mehr.

Für Häusler ist die Nutzungsuntersagung trotzdem ein Schlag ins Kontor: „Ich fühle mich schlichtweg verarscht“, formuliert er beim Rundgang drastisch. Denn mit der faktischen Stilllegung des Erdgeschosses gehe sein Konzept, das Bootshaus für Ferienfreizeiten, Seminare und Wettkämpfe zu vermieten, nicht mehr auf. Er habe Buchungen bereits bis in den Herbst gehabt, die er nun stornieren müsse, desgleichen die Angebote beim europäischen Quartieranbieter Novasol.

Ohne Bootshaus-Betrieb kein Wassersportzentrum

Allein der ausgefallene Winterbetrieb habe ihm einen Verlust um die 25.000 Euro beschert; dazu kämen die bereits getätigten Investitionen, die Reparaturen, die Kosten für die schon eingestellte Mitarbeiterin – insgesamt liege der Schaden „sicher über 100.000 Euro“, schätzt der Pächter. Der versichert, die diversen Mängel seit langem wieder und wieder dem BZ angezeigt und seine Mithilfe beim Abstellen angeboten zu haben. In einem mehrseitigen Schreiben an den BZ-Aufsichtsrat, der Ende April zu einer außerordentlichen Sitzung zusammenkommt, hat sein Anwalt den ganzen Vorgang beschrieben. Es könne doch nicht im Interesse von Aufsichtsrat und Region sein, „dass das Bootshaus nicht betrieben werden kann“ und „ein Investor sich nur deshalb zurückzieht“, heißt es darin. Auf unsere Nachfrage bekräftigt Häusler , dass er ohne Bootshaus-Betrieb auch das Wassersportzentrum aufgeben werde. Mithin wären am Alter, das mit Millionenaufwand zum touristischen „Ankerort“ am Hohenwarte-Stausee aufgemotzt werden soll, zwei zentrale Attraktionen gerade für jüngere Menschen und Familien zumindest für die kommende Saison so ziemlich erledigt.

Christoph Majewski , Geschäftsführer des Bildungszentrums , räumt einige der von Häusler benannten Mängel durchaus ein. Wegen der unzureichenden Heizungsanlage zum Beispiel habe man die Pacht während der kalten Jahreszeit deutlich reduziert, erklärt Majewski ; ebenso seien die Anlaufinvestitionen Häuslers im ersten halben Jahr nach Pachtbeginn durch einen kräftigen Pacht-Nachlass unterstützt worden. „Wir waren immer bemüht, Probleme zu lösen und Herrn Häusler zu unterstützen“, betont der BZ-Chef. Des Pächters Darstellung, wonach im Grunde von Anfang die Nutzbarkeit unzumutbar eingeschränkt gewesen sei, weist Majewski indes zurück. Schließlich hätten ja während der Pachtzeit durchaus Vermietungen und Veranstaltungen stattgefunden, die Küche sei mitnichten beanstandet worden und „im Top-Zustand“.

Und es sei schon verwunderlich, wenn kurz nach einem Gespräch, bei dem sich über die weiteren Schritte zum Beheben der Mängel einig gewesen sei, von der Batec bzw. Häuslers Anwalt die als „Hilferuf“ überschriebenen Briefe an die Aufsichtsratsmitglieder versandt und die Pachtzahlungen eingestellt worden seien. Außerdem habe die Pächterin wiederholt Kommunikationswege nicht eingehalten und Baumaßnahmen am Objekt durchgeführt, ohne eine entsprechende Genehmigung des Verpächters einzuholen. Zu weiteren Details möchte sich Majewski mit Blick auf das Gerichtsverfahren nicht äußern.

Und nun? Grundsätzlich schließt Majewski nicht aus, dass die Batec noch bzw. wieder das Bootshaus betreiben könnte. Allerdings müssten wohl kleine Wunder geschehen, um eine „vertrauensvolle Zusammenarbeit“ als Basis auch nur ansatzweise zu begründen. Ob man das Haus am Alter künftig wieder in eigener Regie führe oder durch einen Pächter entwickeln lasse, werde jetzt geprüft. „Selbstverständlich“, so Majewski , würden so bald als möglich Heizung und Balkone samt Außentreppen sowie „alle zur weiteren Entwicklung erforderlichen Investitionen“ vorgenommen, entsprechende Rücklagen seien vorhanden. Ein Verkauf des Bootshauses jedenfalls „steht nicht zur Diskussion“, so der BZ-Chef.

Quelle: Jens Voigt / 17.04.19
https://saalfeld.otz.de/web/saalfeld/startseite/detail/-/specific/Saisonstart-am-Alter-ohne-Bootshaus-1493990125

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