Die Bode

Die Bode hat ihren Ursprung im Harz. Mit ihren Quell- und Zuflüssen (Warme Bode, Kalte Bode, Rappbode und Hassel) entwässert sie einen Großteil der Harzhochfläche.

Die Kalte Bode entspringt im Brockengebiet, durchfließt Schierke, das Elendstal, wird im Hochwasserschutzbecken Mandelholz gestaut, und trifft nach 17 km Länge hinter Königshütte auf die Warme Bode. Diese entspringt oberhalb von Braunlage im "Roten Bruch", einem Moor- und Sumpfgebiet, durchfließt Sorge, Tanne und bildet nach 23 km mit der Kalten Bode die eigentliche Bode. Die Namen sind durch die tatsächlich vorhandenen Temperaturunterschied von ca. 2° entstanden.

Es folgt die Überleitungssperre Königshütte und die Talsperre Wendefurth. Beide gehören zu dem Talsperrensystem Bodetal, das zur Trinkwasser- und Energiegewinnung und dem Schutz vor Hochwasserkatastrophen dient. Das größte Bauwerk ist dabei die Rappbodetalsperre mit einer Staumauer von 89 m Höhe und einem Fassungsvermögen von 108,5 Millionen Kubikmeter Wasser. Die Talsperre Wendefurth wird auch für den Wassersport genutzt, man kann z.B. Ruderbote ausleihen.

Südlich von Treseburg mündet die Luppbode in die Bode. Von dort bis Thale ist das Bodetal mit seiner sich vielfältig darstellenden Oberfläche und der interessanten Tier- und Pflanzenwelt Naturschutzgebiet. In dem 10 km langen, schluchtartigen Talabschnitt der Bode zwischen Treseburg und Thale hat sich der Fluss tief in den harten Ramberggranit eingeschnitten. Die Schlucht ist bei Treseburg etwa 140 m und bei Thale etwa 280 m tief. Bereits am 5. März 1937 wurde das Bodetal unter Naturschutz gestellt und später erweitert. Heute gehört es zu den größten Naturschutzgebieten Sachsen-Anhalts.
Ein Wanderweg erschließt das Bodetal zwischen Thale und Treseburg. Ein Radweg ist auf Grund der Enge der Schlucht nicht vorhanden. Der Wanderweg wird an Engstellen in steilen Kehren und als Pfad über die Felsen geführt. Von dort ergeben sich hervorragende Ausblicke in die Schlucht. Hoch über dem Tal tronen die Aussichtsfelsen Roßtrappe und Hexentanzplatz. Das Bodetal zählt jährlich Hunderttausende Besucher und gehört zu den touristischen Schwerpunkten im Harz.

Hinter Thale bahnt die Bode ihren Weg zwischen Neinstedt und Weddersleben, durch Quedlinburg und Ditfurt hindurch. Bei Kilometer 80 mündert als rechter Nebenfluss die Selke und bei Kilometer 63,2 südlich von Krottorf kommt linksseitig die Holtemme dazu. Dazwischen hat sie den Harz verlassen und durchfließt nun in großem Bogen den Landkreis Börde und den Salzlandkreis, wo sie bei Nienburg nach knapp 140 km Länge in die Saale (Saale-km 27,6) mündet. Die Kilometrierung beginnt bei der Saalemündung und verläuft bis zu den Quellen.

Anfang des 20. Jh. gab es Personenschifffahrt auf der Unteren Bode. Am 26.1.1926 stellte der Staßfurter Fischhändler Paul Lindenberg einen Antrag an den Magistrat, um mit einem 30-40 Personen fassenden Motorboot die Bode von Staßfurt/Mühlgraben bis Athensleben befahren zu dürfen. Er schrieb dem Magistrat, dass sein derzeitiges Fischgeschäft nur im Winter funktioniert und er mit dem Bootfahren ein Auskommen für die restliche Zeit hätte. Er wollte Haltestellen in Gänsefurth, Löderburg, Athensleben errichten und sogar bis zur Saale fahren. Die Behörden hatten sein Vorhaben bewilligt. Der Plan, bis zur Saale zu fahren, scheiterte jedoch am Rittergutsbesitzer Baron von Alvensleben in Neugattersleben, der ihm nicht gestattete, sein Gelände zu durchfahren. So fuhr der Bodekapitän seinen Kahn nur bis zum Gänsefurther Busch. Der Bootsverkehr wurde am 13.5.1928 eröffnet. Die Staßfurter Bürger freuten sich über die neue Attraktion und machten Bootspartien nach Gänsefurth, um im dortigen Schlosspark einen Kaffee zu trinken.
Nur vier Jahre später fand die Attraktion ein trauriges Ende. Bootsbesitzer und -kaptän Lindemann stieß am 17.6.1932 mit dem Kopf gegen eine der niedrigen Brücken, stürzte ins Wasser und ertrank. Der Bootsverkehr wurde eingestellt.

Heute ist die Bode ein reizvoller Wasserwanderfluss. Sie kann im Unterlauf ganzjährig und in ihrem Oberlauf nur zeitweise, nach ergiebigen Niederschlägen, befahren werden.
Im Bereich zwischen Ditfurt und Wegeleben ist die Bode noch sehr naturbelassen und der Paddler hat zahlreiche kurze Kurven und Strömungswechsel zu meistern. Aber nicht zu jeder Jahreszeit führt der Fluss hier ausreichend Wasser für dieses kleine Abenteuer. Hinter Wegeleben wird die Bode ruhiger. Meistens ab Gröningen, spätestens aber ab Oschersleben ist der Wasserstand auch für eine Wasserwandertour ausreichend.
Die Bode bietet jedoch keine wassertouristischen Bequemlichkeiten, wie Schleusen, ausgebaute Anlegestellen oder Campingplätze direkt am Ufer. Wer aber eine kleine Herausforderung sucht und das Umtragen an den Wehren nicht fürchtet, notfalls mal ein paar Meter sein Boot durch's flache Wasser ziehen würde, wird durch herrliche naturbelassene Fleckchen, Ruhe und Einsamkeit sowie interessante Tierbeobachtungen belohnt. Von der Befahrung mit Faltbooten ist abzuraten, da mehrere Flachstellen und steinige Brückendurchfahrten ein hohes Risiko für die Haltbarkeit der Bootshaut darstellen. Paddelboote und Canadier können z.B. bei Kanu Culture und Canoetrails in Groß Rodensleben oder Bodetramp in Gänsefurth ausgeliehen werden (mehr Informationen unter Wassersport).

Ein Höhepunkt auf der Bode und lange Tradition ist die Spaßboot-Regatta in Oschersleben, die jährlich im Juni stattfindet. Fotos vom 20. Boderennen sind unter Fotos+Videos zu finden.



© Sabine Spohr 1998-2012  21.01.2012