Die Weiße Elster

Die Weiße Elster entspringt im Elstergebirge westlich des Kapellenberges in einer Höhe von 724 m über NN. Ihre Quelle liegt bei Vyhledy südöstlich von Aš in der Tschechischen Republik, wo sie „Bélý Halštrov“ heißt. Der 257 km lange Fluss durchquert das sächsische Vogtland mit den Städten Oelznitz und Plauen, Ostthüringen mit Greiz und Gera und die Leipziger Tieflandsbucht mit Zeitz und Leipzig. Der Elsterlauf innerhalb von Sachsen-Anhalt ist unterbrochen. Sie tritt bei Wetterzeube (zwischen Gera und Zeitz) erstmals in sachsen-anhaltinisches Gebiet ein, verläßt es hinter Profen jedoch wieder, um von Pegau bis Schkeuditz nochmals durch Sachsen zu fließen, bevor sie dann südlich von Halle bei etwa 80 m über NN in die Saale mündet. Die Weiße Elster hat ein Gesamteinzugsgebiet von 5.384 km² und nimmt auf ihrem Weg rund 40 Bäche und die Nebenflüsse Trieb, Göltzsch, Weida und Pleiße auf. Innerhalb von Leipzig teilt sie sich in zwei Arme, der nördliche bleibt Elster und der südliche heißt Luppe, die bei Schkopau in die Saale mündet.

Auch wenn Orte, wie Bad Elster und Elsterberg, die gefederte Elster in ihrem Wappen tragen, so stammt der Flussname jedoch nicht von dem Vogel ab. Der Name Elster ist slawischen Ursprungs und bedeutet "die Eilende". Das es noch die Schwarze Elster gibt, die von der Lausitz zur Elbe fließt, trägt sie zur Unterscheidung den Namen Weiße Elster.

Das einst stark mäandrierende Elsterflussbett wurde auf großen Abschnitten begradigt. Ein schnellerer Wasserdurchfluss, Schutzdämme und Stauanlagen können heute die Hochwassergefahren deutlich reduzieren. Die Talsperre Pirk südlich von Plauen entstand in den Jahren 1935 bis 1938 und bietet seitdem gute Möglichkeiten für den Wassersport.

Die Talsperre Pöhl nördlich von Plauen wurde zwischen 1958 und 1964 erbaut und staut das Wasser der Trieb, die als Geigenbach entspringt und über die Talsperre in die Weiße Elster mündet. Durch den Bau der Talsperre wurde das Gebiet der mittleren Trieb in seinem Charakter wesentlich verändert, beispielsweise musste 1961 auch das Dorf Pöhl dem Talsperrenbau weichen. Die Talsperre dient der Bereitstellung von Brauchwasser und dem Hochwasserschutz. Sie hat eine Länge von 7,5 km, ist maximal 2 km breit und hat eine Fläche von 387 ha und einen Stauraum von 62,4 Mio. m³. Eine 750-kW-Turbine an der Staumauer erzeugt Elektroenergie. Über die 312 m lange Krone der sich 50 m über der Talsohle erhebenden Mauer führt die Autostraße von Plauen ins nördliche Vogtland. Auf der Talsperre sind alle Boote ohne Motorantrieb zugelassen und auch das Surfen ist möglich.

Die Autobahnbrücke A72 nordöstlich von Pirk überspannt auf 623 m Länge und bis zu 60 m Höhe in zwölf Bögen das Elstertal. 1937-1940 erfolgte der Bau der Pfeiler und Bögen. Der zweite Weltkrieg verhinderte jedoch den Abschluss der Bauarbeiten. Nach Untersuchungen der bestehenden Bausubstanz wurde die Steinbogenbrücke 1991-1993 fertiggestellt.

Die Elstertalbrücke bei Jocketa wurde gemeinsam mit ihrer grossen Schwester, der Göltzschtalbrücke, in den Jahren 1846 bis 1851 erbaut. Die Verlegung einer Bahnlinie von Sachsen nach Bayern konnte nur durch das Vogtland erfolgen, wobei die Täler der Weißen Elster und der Göltzsch überquert werden mussten. Die damals noch schwachen Lokomotiven ließen eine maximale Bahnstreckensteigung von nur 1% zu. Somit konnten die Linien nicht abgesenkt, sondern mussten die Täler in voller Höhe überbrückt werden. Konstrukteur und Baumeister der einem römischen Aquädukt nachempfundenen Göltzschtalbrücke waren J.A. Schubeil und R. Wilke. Mit beiden Talbrücken wurde eine Nord-Süd-Bahnverbindung vom sächsischen Leipzig über Reichenbach zum bayrischen Hof und weiter bis Nürnberg realisiert. Am 15.7.1851 war die Einweihung und schon einen Tag später wurde der Zugverkehr aufgenommen. (Luftbildaufnahmen der Brücken im Vogtland)

Die Leipziger Tieflandsbucht wird begrenzt durch das Erzgebirge im Süden und flankiert von der Saale im Westen und der Elbe im Osten. Sie entstand im Tertiär. Als sich das Erzgebirge und das Vogtland erhoben, bildete sich als Ausgleichsbewegung ein Becken, in dem sich Verwitterungsmaterial der Gebirge ablagerte. Durch Moorbildung und wechselnde Überflutungen kam organisches Material hinzu, das wieder von Sedimenten überlagert wurde. So entstand Braunkohle, die mit Schichten aus Sand und Löß überdeckt ist.
Vor etwa 200 Jahren begann im Leipziger Südraum der Braunkohlenabbau, dessen Auswirkungen die Landschaft prägten. Die Tagebauentwicklung brachte in den siebziger Jahren auch die Verlegung der Weißen Elster aus dem Eichholz bei Zwenkau in ein künstliches, ca. 12 km langes Flussbett mit sich (sogenannte "Betonelster").
Das Landschaftsbild ist auch heute noch von den Dimensionen der ehemaligen Tagebaue geprägt. Doch die Natur erobert sich das Terrain zurück. Wiederaufgeforstete Flächen und das Verfüllen der Tagebaurestlöcher geben der Landschaft ein neues Bild und lassen eine neue sächsische Seenlandschaft entstehen. Heute werden Besonderheiten der Reviere um Zeitz und Leipzig als Teil der Straße der Braunkohle dem Besucher präsentiert.

Weitere Hightlights für Touristen sind z.B. die zum Weinanbaugebiet Saale-Unstrut gehörende Weinroute von Zeitz nach Wetterzeube, die auf der Elster angebotenen Schlauchboottouren (BERROTOURS, geführte Schlauchboottouren und Schlauchbootverleih, Tel./Fax 03441/272328, Mobil 0179/6804500) und der ihrem kompletten Lauf folgende Elsterradweg.

 


© Sabine Spohr 2004-2012  22.04.2012