Der Mittellandkanal und Elbe-Havel-Kanal

Der Mittellandkanal ist die wichtigste Querverbindung zwischen den zur Nordsee fließenden Gewässern Ems, Weser und Elbe. Er verbindet mit dem Elbe-Havel Kanal das Ruhrgebiet mit dem Kanalsystem der Länder Brandenburg und Berlin. Der Mittellandkanal hat von seiner Abzweigung vom Dortmund-Ems-Kanal in Hörstel bis zur Elbe nördlich von Magdeburg eine Länge von 321,3 km, davon liegen 60,8 km innerhalb von Sachsen-Anhalt. Der Elbe-Havel-Kanal verbindet auf einer Strecke von 56 km die Elbe bei Niegripp mit der unteren Havel bei Plaue. Die Kilometrierung des Elbe-Havel-Kanals wird mit dem Kilometer 325,6 des Mittellandkanals fortgesetzt.

Der Mittellandkanal liegt westlich von Haldensleben auf einem Damm, der im Elbetal eine Höhe von 17 m über Gelände erreicht. Zwischen Landesgrenze und Calvörde verläuft der Kanal durch "das Land der 1000 Gräben", die planebene Niederung des Drömlings. Im Bereich der ehemaligen Grenze konnten sich Tier- und Pflanzenarten erhalten, die an anderer Stelle kaum mehr zu finden sind. Große Flächen dieses Feuchtgebietes sind als Natur- und Landschaftsschutzgebiete ausgewiesen. Ein besonderes Gepräge verliehen dem Drömling die im 19. Jh. entstandenen Moordammkulturen mit ihrer kulturhistorischen Bedeutung.

Der Elbe-Havel-Kanal ist durch Ausbau des Plauer Kanals und des Ihlekanals entstanden. Der Plauer Kanal wurde bereits 1743-45 angelegt. Von der unteren Havel bei Plaue wurde ein 15 km langer Durchstich bis zur Stremme und Ihle vorgenommen und beide Flussläufe für die Schiffahrt ausgebaut. Ein 5 km langer Durchstich bei Parey stellte die Verbindung zur Elbe über einen Altarm her. Im Anschluss an die erste Erweiterung des Plauer Kanals wurde 1865-72 der Ihlekanal gebaut. Er verlief zwischen dem Plauer Kanal bei Seedorf bis Burg im Tal der Ihle und mündete mit einer Schleuse bei Niegripp in die Elbe. Der Name Elbe-Havel-Kanal hat sich erst Anfang der 20-er Jahre dieses Jahrhunderts eingebürgert.

Trotz mehrfacher Erweiterungen der alten Kanäle war 1912 ein Maximum des Schiffsverkehrs erreicht und machte Veränderungen am Kanalzustand dringend erforderlich. Der erste Entwurf vom 20.6.1912 scheiterte durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges. Am 4.12.1920 plante man, die Nord-Süd fließenden deutschen Flüsse zu verbinden. Schwerpunkt war der Ausbau des Mittellandkanals, der den Elbe-Havel-Kanal als Fortsetzung des Elbe-Weser-Kanals vorsah. Zur Verbindung der Kanäle wurde 1934 mit dem Bau der Kanalbrücke über die Elbe und des Doppelhebewerkes in Hohenwarthe für den Abstieg in den Elbe-Havel-Kanal begonnen, was jedoch 1942 kriegsbedingt eingestellt werden musste. Um das fehlende Verbindungsstück zu überwinden, musste bisher die Elbe über den Abstiegskanal Rothensee und die Schleuse Niegripp auf einer Umweglänge von 12 km benutzt werden.

Im Rahmen des Projektes 17 (Ausbau der Wasserstraßenverbindung Hannover - Magdeburg - Berlin) wurde nun das "Magdeburger Wasserstraßenkreuz" verwirklicht. Es entstand die größte Trogbrücke der Welt. Sie hat eine Länge von 918 m und eine lichte Weite von 32 m. Auf 228 m überspannt sie bei Mittelwasser die Elbe, mit der restlichen Länge das Elbtal. Durch eine Doppelschleuse von 190 m x 12,5 m in Hohenwarthe wird die Wasserstandsdifferenz von 18,55 m zwischen dem Mittellandkanal (56 m üNN) und dem Elbe-Havel-Kanal (37,45 m üNN) überwunden.
Die Anbindung des Mittellandkanals an die Magdeburger Häfen und an die Elbe erfolgte bisher über das Schiffshebewerk Rothensee in den in südlicher Richtung führenden Abstiegskanal Rothensee. Um diese Anbindung zukünftig auch für den Verkehr mit Großmotorgüterschiffen und Schubverbänden zu ermöglichen, wurde westlich des bestehenden Schiffshebewerkes eine neue Schleusenanlage errichtet. Die Schleuse Rothensee hat eine maximale Hubhöhe von rund 18 m. Eine Besucherplattform ist über eine außenliegende Stahltreppenkonstruktion zu erreichen. Der Aussichtspunkt liegt rund 30 m über Gelände, so dass bei gutem Wetter von hier das gesamte Wasserstraßenkreuz überblickt werden kann.

Zum Ausbau des Elbe-Havel-Kanals gehört auch der Neubau von je einer zweiten Schleusenkammer mit 190 m Nutzlänge und 12,5 m lichter Breite an den Staustufen Zerben und Wusterwitz sowie die Erneuerung bzw. Anhebung von 22 Brücken. Der Stichhafen in Genthin erhält einen Anschluss über den modernisierten Roßdorfer Altkanal. Bei Parchau/Ihleburg wird mit einem 2 km langen Durchstich der Kurvenradius des Kanals vergrößert, das abgetrennte Gewässer wird in ein Feuchtbiotop umgewandelt. Die Ausbaumaßnahmen sehen vor, die Wasserspiegelbreite von derzeitig 35,5 m auf 55 m im Trapezprofil zu verbreitern, die Sohle wird von 3,5 m auf 4 m vertieft. Die Stadtstrecken werden im raumsparenden Rechteckprofil ausgebaut.

Das Wasserstraßenkreuz wurde am 10. Oktober 2003 eröffnet.
Fotos von der Eröffnung sind unter Fotos + Videos zu finden.

Ausführliche Infos zum Wasserstraßenkreuz gibt es bei der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) und dem Wasserstraßenneubauamt Magdeburg (WNA). Eine Sehr umfangreiche Seite zum Wasserstraßenkreuz und dem Mittellandkanal hat Jörg Schönebaum veröffentlicht. Viele Informationen gibt es auch beim Freundeskreis "Wasserstraßenkreuz Magdeburg".



Sabine Spohr 1998 - 2012  02.02.2011