Memleben

Unstrut-km 41,3 re Postleitzahl: 06646  Tel.-Vorwahl: 034672

Memleben liegt im Nordosten des Burgenlandkreises, am Südufer der Unstrut. Durch Memleben führt die Straße der Romanik Sachsen-Anhalt.


  Geschichtliches    Regelmäßige Veranstaltungen 
  Sehenswürdigkeiten    Verkehrsanbindung 
  Wandern und Radwandern    Informationen 
  Freizeit und Erholung    zum Bild 

 

Geschichtliches:

  • Der Ort wurde bereits 780 im Hersfelder Zehntverzeichnis erwähnt. Bei der Siedlung "Mimilebo", "Mimileba" oder "Mimileiba" (= Erbgut eines Mimo oder Mimi) aus der Thüringerzeit gründeten die Franken einen befestigten Hof, der später im Besitz der Ludolfinger Burg oder Könighof wurde. Als "curtis regia" der Herzöge, Könige und Kaiser erlangte der Ort ein Jahrhundert später reichsweite Bedeutung.
  • An der Unstrut, gegenüber der heutigen Ortslage, befand sich um 830/850 das früh wüst gewordene Dorf Klein Memleben mit Hersleber Gütern.
  • Nach seiner Wahl zum deutschen König 919 ließ Heinrich I. Memleben zur seiner Lieblingspfalz ausbauen, da er in den Wäldern und sumpfigen Niederungen des Unstruttales gut seiner Jagdleidenschaft nachgehen konnte. Er starb am 2.7.936 in Memleben.
  • Sein Sohn Otto wurde zu seinem Nachfolger gewählt und noch im gleichen Jahr in Aachen zum ersten Kaiser des heiligen Römischen Reiches gekrönt. Otto I. veranlaßte 942 den Bau der Marienkirche. Er starb am 7.5.973, wie sein Vater, in Memleben.
  • Otto II. empfing die Huldigung der deutschen Fürsten. Die späteren Kaiser hielten sich weniger in der Pfalz von Memleben auf, so dass sie verfiel.
  • Um 957 verwandelte Otto II., auf Bitten seiner Mutter Adelheid, das schon zu Heinrichs Zeiten gegründete Stift in eine Benediktinerabtei. Es wurde mit beachtlichen Ländereien und Sonderrechten ausgestattet und den damals mächtigsten Klöstern Fulda und Reichenau am Bodensee gleichgestellt.
  • Otto III. wollte Memleben sogar zum Sitz eines Bischofs von Thüringen machen. Er starb jedoch bereits mit 22 Jahren und konnte seine Absicht deshalb nicht mehr verwirklichen.
  • 994 stattete Otto III. Memleben mit dem Markt-, Münz- und Zollrecht für die Handelsstraße nach Erfurt und Magdeburg sowie für die Unstrut aus. Jedoch wurde Memleben kein Marktort und ebensowenig ein Reichskloster.
  • Kaiser Heinrich II., aus einer Nebenlinie des ottonischen Königshauses abstammend, hatte zunächst die Absicht, das Kloster weiterzuführen. 1002 bestätigte er dem damaligen Abt Reinhold noch einmal alle von Otto II. und Otto III. verliehenen Besitzungen und Rechte. Sein Interesse an Memleben erlosch, als er größere Ziele ins Auge fasste. Durch Aufhebung der Reichsabtei brachte er die Besitztümer des Klosters in seinen Besitz und stattete damit das von ihm gegründete Bistum Bamberg aus. Memleben ging danach in den Besitz des Klosters Hersfeld über.
  • Das Kloster hat unter Hersfelder Oberhoheit weiterbestanden, erlangte jedoch erst im 13. Jh. wieder einen gewissen Wohlstand. Zu dieser Zeit wurden neue Klostergebäude und eine neue, kleinere Kirche errichtet. In der Reformationszeit wurde es endgültig aufgehoben.
  • Im Bauernkrieg nahmen 1525 die aufgebrachten Memleber Bauern das Kloster ein, plünderten und zerstörten es teilweise. Im Jahre 1540 war das Kloster nur noch vom Probst und 2 Mönchen bewohnt. Kurfürst Moritz von Sachsen übereignete den gesamten Besitz 1551 der gerade gegründeten Landesschule zur Pforte bei Bad Kösen.
  • 1722 beschädigte ein Blitz das Dach der Klosterkirche. Regen und Frost konnten in das Mauerwerk eindringen und haben es über 50 Jahre hinweg zerstört. Dann begann man mit dem Abbruch, verwendete die Steine für Scheunen- und Stallbauten.
  • Baumeister Karl Friedrich Schinkel ist es zu verdanken, daß einige Ruinen vor dem weiteren Verfall gesichert werden konnten. Er setzte sich für die Sicherung der noch vorhandenen Ruine ein. Auf Befehl des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861) wurde dann die Krypta durch Sandsteinplatten abgedeckt.
  • Zu DDR-Zeiten gab es in Memleben ein Zentrum der Saatguterzeugung und der Schaf- und Pferdezucht.

 

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Sehenswürdigkeiten:

  • Die Ruine der Klosterkirche St. Marien mit ottonischer Krypta des Kloster Memleben einst mächtigen Benediktinerklosters gehört heute zur "Straße der Romanik" und zu den eindrucksvollsten Zeugen mittelalterlicher Baukunst im Thüringer Raum. Die ottonische Kirche, eine der größten und modernsten ihrer Zeit, war nach der Aufhebung des Reichsklosters zu groß geworden. In der ersten Hälfte des 13. Jh. errichtete man eine kleinere, den tatsächlichen Bedürfnissen angepaßte Kirche etwas östlicher. Die spätromanische Klosterkirche war eine kreuzförmige Pfeilerbasilika mit Zweiturmbau im Westen und Querhaus im Osten. Auf der Nordseite schlossen sich die Klostergebäude an. Als Baumaterial wurde Nebraer Sandstein verwendet und nur Pfeiler, Säulen und Bögen wurden aus festerem Porphyr hergestellt. Die Mittelschiffpfeiler lassen an ihrer Innenseite noch Umrisse von Malerei erkennen.
    Die Krypta befindet sich unter dem Chor und erstreckt sich noch ein Stück unter die Vierung und ist als einziger Raum der Kirche noch relativ gut erhalten. Sie gehört zu den letzten echten Chorkrypten. Der dreischiffige Hauptraum, begrenzt durch die Wände und gegliedert durch die 4 schlanken, verschieden verzierten Säulen und die gemauerten Kreuzgratgewölbe, wirkt trotz seiner Verwitterung großzügig und ausgewogen. Durch die 6 kleinen Spitzbogenfenster fällt nur spärliches Licht, was für eine besondere Atmosphäre des Raumes sorgt.
    Das "Mönchhaus" ist das am besten erhaltenste Klostergebäude, die sich auf allen Seiten an den Kreuzgang anschlossen. Im unteren Geschoss befand sich der Versammlungssaal der Mönche (Kapitelsaal) und im Obergeschoss war der Schlafsaal.
    Eine Ausstellung "Memleben - Sterbeort Kaiser Ottos des Großen" kann besichtigt werden. Informationen auf den Seiten des Museumsverbandes Sachsen-Anhalt. Öffnungszeiten: täglich 10-18 Uhr, Tel. 60274
  • Als "Kaisertor" bezeichnet man eine mächtige, ca. 2 ½ m dicke und 10 m hohe Bruchsteinmauer mit einer rundbogigen Durchfahrt. Alle Mauerreste galten früher als Reste der Pfalz Memleben. Nach Grabungen 1959, 1964 und 1966 bestätigten sich die Vermutungen, daß diese Reste von der ottonischen Kirche aus dem 10. Jh. stammen.
  • Die dem heiligen Martin geweihte Dorfkirche (Am Plan) existierte bereits vor der Klosterkirche, was aus Aufzeichnungen des Chronisten Thietmar von Merseburg hervorgeht. Ihr Turm ist laut einer an ihm befindlichen Inschrift 1486 im spätgotischen Baustil erbaut worden. Im 18. Jh. erfolgten Umbauten. Hervorzuheben von der Innenausstattung sind Holzplastiken vom 15. und 16. Jh.
  • Im Erlebnistierpark Memleben gibt es ca. 150 Tierarten von der Maus bis zum Elefanten sowie ein Circusmuseum und eine Circusschule, wo man sich z.B. im Stelzenlaufen Trampolinspringen, Einradfahren und Jonglieren probieren kann. Pony- und Elefantenreiten ist auch möglich. Außerdem werden verschiedene hochkarätige Shows präsentiert. Öffnungszeiten April-Okt. Do-So 10-18 Uhr (in den Schulferien von Sachsen-Anhalt und Thüringen täglich).

 

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Wandern und Radwandern:

  • Der Hauptwanderweg Saalfeld-Bad Frankenhausen, (Teilstrecke Naumburg-Roßleben ca. 50 km, Markierung - blauer Querstrich), verläuft aus Richtung Roßleben kommend, zwischen Wendelstein und Memleben auf der Dammkrone entlang. Von Memleben führt er durchs Kuhtal in Richtung Wippach, dann durchs Schwalbestal nach Wangen.
  • Der "Kaiserweg" (Markierung - grünes Dreieck) verläuft durchs Kuhtal, zunächst parallel mit dem Hauptwanderweg, zweigt dann ab in Richtung Bucha, führt durch das reizvolle Waldgebiet "Toter Mann" nach Zeisdorf, dann entlang des Klefferbachs nach Lossa, weiter am Flüßchen Lossa entlang nach Billroda und schließlich zum Kläfferberg (300,4 m).
  • Der Unstrutradweg führt bei Memleben am gegenüberliegenden Unstrutufer entlang und ist über die Brücke im Osten des Ortes zu erreichen. In Richtung Wangen wurde der Weg auf dem Damm angelegt. Bei Hochwasser ist die Befahrung jedoch verboten. Nach Wendelstein geht's auf einer wenig befahrenen Straße bergan.

 

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Freizeit und Erholung: Pension und Restaurant Storchennest

  • Im Erlebnistierpark Memleben finden Sie einen Tier- und Freizeitpark wie er mit seinem Konzept in Deutschland einmalig sein dürfte. Ca. 500 Tiere in 150 Arten von der Hausmaus bis zum Elefanten beherbergt dieser Zoo der anderen Art. Viele dieser Tiere sind so auf den Menschen geprägt, dass Sie von den Besuchern gefahrlos gestreichelt werden können. Vom Pony- bis zum Elefantenreiten ist in dem ca. 30000 m2 großen Park fast alles möglich.
  • Konzerte (z.B. Händelfestspiele) werden in der Krypta oder im Innenhof der Klosterkirche durchgeführt, Termine in der Klosterruine erfragen, Tel. 60274
  • Reiterhof
  • Gaststätten und Unterkünfte:

 

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Regelmäßige Veranstaltungen:

  • Heimatfest (Juli)
  • traditionelles Ablassfest (Juni)
    Memleben besitz noch Münzrecht und vertreibt wertvolle Gold- und Silbermünzen. Auf dem Ablassfest kann der Besucher selber Münzen prägen.
  • Weinfest Memleben (September)

 

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Verkehrsanbindung:

  • Bundesstraßen:
    • B 176 Sömmerda - Bad Bibra - Laucha - Freyburg - Weißenfels (ab Saubach ca. 6 km Landstraße)
    • B 250 Eckartsberga - Bad Bibra - Nebra - Querfurt (ab Nebra ca. 8 km Landstraße)
  • Bahnverbindungen:
    • nächster Bahnhof in Nebra (ca. 10 km entfernt),
      Strecke 585: Burgenlandbahn - Verbindungen nach Laucha, Freyburg, Naumburg
  • Busverbindungen:
    • PVG Burgenlandkreis: nach Roßleben, Nebra, Laucha, Freyburg, Naumburg, Bad Bibra

 

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Informationen:

 

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nächster OrtNächster Ort flussabwärts: Wangen



© Sabine Spohr 1998 - 2010  18.04.2010