Die Himmelsscheibe von Nebra

Im Februar 2002 gelang es Behörden aus Sachsen-Anhalt und der Schweiz in einer für die Archäologie einmaligen Aktion in Basel einen der wichtigsten archäologischen Funde des vergangenen Jahrhunderts sicherzustellen. Angeblich sollte der Fundort in Sachsen-Anhalt liegen. Der genauen Lage kam aus rechtlicher, aber vor allem aus archäologischer Sicht eine erhebliche Bedeutung zu. Durch das Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt und die Staatsanwaltschaft Halle wurde der Fundort zweifelsfrei ermittelt. Er liegt in einer ringförmigen Wallanlage auf dem Mittelberg im Ziegelrodaer Forst bei Wangen. Quer durch die Wallanlage verläuft die Gemarkungsgrenze zwischen Wangen und Ziegelroda und gleichzeitig die Grenze zwischen dem Burgenlandkreis und dem Landkreis Merseburg - Querfurt. Die Grube, in der die Scheibe vor rund 3.600 Jahren deponiert worden war, befindet sich auf dem Gebiet der Gemarkung Ziegelroda. Der nächst gelegene, größere Ort ist die Stadt Nebra in etwa 3,9 km Entfernung. Nach sorgfältiger Abwägung aller Argumente entschloss man sich am Landesamt für Archäologie, den Fund unter der wissenschaftlichen Bezeichnung Frühbronzezeitliche Bronzescheibe mit Himmelsdarstellung von Nebra" oder kurz „Himmelsscheibe von Nebra" zu führen.

Himmelsscheibe von Nebra
Foto: LDA Halle Juraj Litak

Die Bedeutung des Fundes

Bei der Himmelsscheibe von Nebra handelt es sich um einen Schlüsselfund für die europäische Vorgeschichte, die Astronomiegeschichte sowie die frühe Religionsgeschichte. Die erste uns bekannte konkrete Himmelsdarstellung der Menschheitsgeschichte lässt mit ihren Beifunden weitreichende archäologische Beziehungen sowie einen ersten tiefen Einblick in die astronomischen Kenntnisse der vorgeschichtlichen Menschen zu. In Verbindung mit dem Fundort gewinnt dies zusätzliche Brisanz. Himmelsscheibe und Beifunde deuten schon beim jetzigen Stand der Analyse weiträumige Beziehungen bis in den östlichen Mittelmeerbereich an. Für die weitere Forschung wird die Himmelsscheibe von Nebra wahrscheinlich ein zentraler Fixpunkt sein. Die Wallanlage sei, so Wissenschaftler, zusammen mit der Himmelsscheibe das älteste Observatorium der Menschheit.

Die Himmelsscheibe hat ein Gewicht von zwei Kilogramm, und einen Durchmesser von 32 cm. Die Scheibe enthält 32kleine Goldblättchen, die als Sterne anzusehen sind. Sieben davon stellen mit größter Wahrscheinlichkeit das Siebengestirn (Plejaden) in einer Konstellation wie vor 3600 Jahren dar.
Die Erwähnung der Plejaden zeigt klar, dass diese für die Kenntnis des richtigen Zeitpunktes von Aussaat und Ernte in der Antike von zentraler Bedeutung waren.

Weitere Informationen zur Himmelsscheibe von Nebra:

Arche Nebra und Aussichtsturm

Arche Nebra in Wangen an der Unstrut

Am 20. Juni 2007 wurde am Fuße des Mittelberges bei Wangen das Erlebniscenter "Arche Nebra" eröffnet.
In der goldenen Himmelsbarke erwartet Sie eine einzigartige Präsentation. Auf außergewöhnliche Weise können Sie dort die turbulente Auffindungsgeschichte und Sicherstellung des Fundes erleben und das Sternenrätsel der ältesten Himmelsdarstellung ergründen. Wechselnde Präsentationen geben Einblicke in spannende Themen aus Kultur, Astronomie und Natur.
Öffnungszeiten: April-Oktober 10-18 Uhr, November-März 10-16 Uhr, Montag Ruhetag, Tel. 034461/25750
weitere Informationen: www.himmelsscheibe-erleben.de

Auf dem Mittelberg direkt neben der Fundstelle des Himmelsscheibe bietet der 30 m hohe Aussichtsturm Ausblicke zum sagenumwobenen Kyffhäuser und zum Brocken. Der Turm ermöglicht die Sichtweise, die die Menschen in der Bronzezeit auf dem unbewaldeten Mittelberg hatten und trägt somit zum Verständis der Himmelsscheibe bei.

Die Arche Nebra ist einer von vier Standorten der neuen touristischen Route Himmelswege, die archäologisch bedeutende Orte im südlichen Sachsen-Anhalt miteinander verbindet.

Himmelsscheibenradweg

Himmelsscheibenradweg

Der Himmelsscheibenradweg verbindet den Fundort der "Himmelsscheibe von Nebra" bei Wangen mit ihrem Aufbewahrungsort, dem Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle. Der ca. 73 km lange Radweg ist Bestandteil der touristischen Route "Himmelswege" und geht durch den Burgenlandkreis, den Landkreis Mansfeld-Südharz und den Saalekreis sowie die Stadt Halle.

Die Route zweigt in Wangen vom Unstrut-Radweg ab und führt über das Erlebniszentrum Arche Nebra, einer architektonischen Nachbildung der Himmelsbarke, zum Fundort der Himmelsscheibe auf dem Mittelberg, wo ein 30 Meter hoher Aussichtsturm, der gleichzeitig eine Sonnenuhr darstellt, den Ausblick zur damaligen Zeit nachempfinden lassen soll. Weiter durch den Ziegelrodaer Forst, vorbei am Tiergehege Hermannseck bringt Sie die Tour nach Querfurt, wo es eine imposante Burg zu besichtigen gibt.
Von Querfurt streift die Route das Mansfelder Land mit der Weinregion am Süßen See und trifft in Seeburg auf den Radweg Saale-Harz, auf dessen Streckenführung es schließlich durch den Saalekreis nach Halle geht, wo im Landesmuseum für Vorgeschichte die Himmelsscheibe von Nebra besichtigt werden kann.

www.fluss-radwege.de/himmelsscheibenradweg


© Sabine Spohr 1998 - 2008  08.09.2008